„Der Tunnel“ im Bürgerhaus

Kategorie: Kultur

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Ein skurriles und anspruchsvolles Zweipersonenstück, das unter die Haut geht: Peter Bosch und Yasmin Afrouz verkörpern die Hautfiguren des Theaterstücks „Der Tunnel“

Theaterstück über das Ausgegrenztwerden, über Außenseiter und Ausländer

Vorhang auf!“ hieß es am 9. Juni im Echinger Bürgerhaus: Es wurde wieder Theater gespielt, und zwar das Schauspiel „Der Tunnel“ in einer Inszenierung der Münchner Lichtbühne. Die Romanvorlage des gleichnamigen Buches aus dem Jahr 2013 für das von Regisseur Guido Terstegen für die Bühne adaptierten Zweipersonenstücks stammt vom Dietersheimer Schriftsteller Bernhard Ganter. Für den anwesenden Autor handelte es sich um ein „Heimspielpremiere“. Als weitere Premiere gab es einen Live-Stream, so dass nicht nur die begrentze Anzahl der Gäste im Saal dabei sein konnte, sondern weitere interessierte Zuschauer in ihren eigenen vier Wänden.

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Das Schauspiel ebenso wie die Buchvorlage, beides skurril und tiefgründig, anspruchsvoll und nachdenkenswert, machen deutlich, dass die Schwachen in ihrer jeweiligen Gesellschaft abgewertet und ausgegrenzt werden. Dies trifft in der westlichen Welt auf den von Peter Bosch gespielten, etwas einfältigen und vernachlässigten Joseph Staudinger zu. Als Gegenpart verkörpert Yasmin Afrouz in der Gestalt von Aisha als Zweitfrau eines reichen arabischen Touristen eine typische Frauenrolle in der arabischen Welt. Von klein auf ist das Leben des mittlerweile erwachsenen Dorfbubs und Schienenwächters Joseph Staudinger eine Folge von Misshandlungen, Missverständnissen und Missgeschicken. Seine Mitmenschen, wie beispielsweise seine derben, sexistischen und ausländerfeindlichen Stammtischbrüder, lachen nicht mit, sondern über ihn.

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Er fühlt sich nur wohl in seiner eigenen Welt der Gleise, Schienen und Waggons. Dabei verfügt er sogar über eine besondere Gabe, kann anhand von Klopfgeräuschen hören, ob Eisenbahnschienen defekt sind. Eindrucksvoll untermalt Percussionist Amadeus Bodis die Bühnenhandlung nicht nur mit lauten und rhythmischen Klopfgeräuschen, sondern lässt es vor einer Filmkulisse im Hintergrund rascheln oder tuscheln, pfeifen oder rattern.

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Eine schicksalhafte Wendung nimmt Staudingers einsames Leben, nachdem dem 50-Jährigen erst der Job gekündigt wird und dann Aisha ihm aus einem durch den Tunnel fahrenden Zug vor die Füße fällt, ein Geschenk des Berggeistes Ruitli, wie Staudinger glaubt. Was es mit seiner großen Liebe in der realen Welt wirklich auf sich hat, erschließt sich erst ganz am Ende, ein Tragisches ohne ­Happy End übrigens. In der Schluss-Szene trägt Staudinger auf der Leinwand im Hintergrund eine tote Aisha auf den Armen, denn diese hat sich unmittelbar bei ihrem Sturz aus dem fahrenden Zug das Genick gebrochen.

Für ihr intensives und fesselndes Spiel wurde das Ensemble mit anhaltendem Applaus belohnt, ein verdienter immaterieller, aber sehr wertvoller Lohn, auf den alle lange verzichten mussten.

Für Sie berichtete Ulrike Wilms.

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