lesen-sie-auch-andere-ortszeitungen Oberdinger Kurier Logo neufahrner-echo haarer-echo herrschinger-spiegel mooskurier

Christian Ude - ein“ roter Lump“ im Bürgerhaus

Kategorie: Veranstaltungen Veröffentlicht: 14. November 2017

Sozialdemokratisches Solo-Kabarett

zum 70. Geburtstag des SPD-Ortsvereins

Der Zufall schrieb ein gelungenes Drehbuch für ein zweifaches Jubiläum: Sowohl der SPD-Ortsverein als auch der Münchner Altbürgermeister Christian Ude konnten ihren 70. Geburtstag feiern. Da fragten die Echinger Sozialdemokraten beim bekannten Genossen aus der Landeshauptstadt an, ob er nicht zum Abschluss des Jubiläumsjahres „einen lustigen Abend über die SPD" auf die hiesige Lokalbühne bringen wolle. Schließlich führte Ude ja bereits während und neben seiner über 20-jährigen politischen Karriere (u.a. von 1993 bis 2014 als Münchner Oberbürgermeister) ein „Doppelleben" als Buchautor und Kabarettist.

 Kabarett-mit-Christian-Ude 10

Diese Einladung hat der frischgebackene 70er (geb. 27.10.1947) der mit der S-Bahn und mit Verspätung aus München ins gut besuchte Echinger Bürgerhaus angereist kam, gerne angenommen, machte aber gleich zu Beginn auf ein großes Problem aufmerksam: „Jetzt sag' heutzutage mal was Lustiges über die SPD!"
Ein weiterer Zufall wollte es, dass die beiden promovierten Juristen und ehemaligen roten Bürgermeister Christian Ude (München) und Joachim Enßlin (Eching) dasselbe Münchner Realgymnasium besucht hatten. Enßlin war da dem Schulkameraden Ude um vier Klassen voraus. Und der musste sich jetzt wegen eines damals von ihm verfassten romantischen Liebesgedichts in der Schülerzeitung von seinem älteren Mitschüler sagen lassen: „Schon damals hat sich abgezeichnet, dass aus Dir wohl kein bedeutender Lyriker werden würde." Anstelle romantischer Poesie erwies sich im Laufe seiner beachtlichen Erfolge als Journalist, Anwalt und Politiker eher die pointierte Prosa als Udes Metier, aus denen er auch den unerschöpflichen Stoff für seine zeitlosen realsatirischen Episoden für Bühne und Bücher bezieht.

Kabarett-mit-Christian-Ude 11
Mit erkennbarer Lust am Fabulieren und Formulieren ließ Ude punktuell einzelne Stationen seines Werdegangs und viele sonderbare und besondere Begegnungen Revue passieren: „Alles selbst erlebt", wie er glaubhaft versichert. Er beschreibt gleich mehrfach „den Politiker zum Anfassen", der nur allzu gern „ein Bad in der Menge" nehmen möchte, leider auf einem menschenleeren Platz, ...
Ude versteht es mit wortspielerischer Leichtigkeit, aus peinlichen Zwischenfällen und menschlichen Schwächen im Nachgang mit ironischer Distanz das komische Moment herauszudestillieren – und fängt da bei sich selbst an. Als Jura Student kam er auf „schöne und zahlreiche Semester" und bewies bei der Examensvorbereitung „Mut zur Lücke", sparte etwa kategorisch das Kirchenrecht aus. Beide Details taugen in der Rückschau zu einer kabarettistischen Aufarbeitung. So kann er als Verteidiger einem Richter in einem verfahrenen Prozess auf die Frage, „Sie haben aber schon Jura studiert?" als passende Antwort entgegen schleudern: „Wahrscheinlich sogar länger als Sie!" „Ebenfalls „erstaunlich gut gegangen" ist seine anwaltliche Vertretung des tierliebenden „Viecherl-Pfarrers" Fritz Betzwieser (1929-1993). Ohne überhaupt zu wissen, warum es ging, bewirkte Udes Antrag auf Akteneinsicht in einem kirchenrechtlichen Disziplinarverfahren eine Einstellung, weil, wie sein Klient es formulierte, er „als roter Lump bekannt" sei, „jedenfalls bei den Schwarzen".
Risiken und Nebenwirkungen erfolgreichen kritischen Kabaretts bestehen in seinem Realitätsbezug – und dies gilt auch für die politische Lokalbühne. Bei Udes Beschreibung einer Parteiversammlung auf Ortsebene, die darin besteht, „drei Stunden lang zu streiten, ohne ein Sachthema auch nur versehentlich zu streifen" könnte sich der eine oder andere anwesende SPD-Ratsvertreter einschließlich Bürgermeister Sebastian Thaler schmerzlich an die Echinger Gemeinderats- und Ausschuss-Sitzungen erinnert gefühlt haben, ...
Kabarett-mit-Christian-Ude 5
In der Pause musste Ude zahlreiche Bücher und Cds signieren.

Für Sie berichtete Ulrike Wilms.

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok