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„Himmel, Herrgott, Sakrament“

Kategorie: Veranstaltungen Veröffentlicht: 17. November 2016

Volles (Bürger-) Haus für Pfarrer Rainer Schießler

Kein Stuhl blieb leer an diesem regnerischen Dienstagabend. Rund 420 Menschen füllten am 15. November den Saal des Bürgerhauses, um Rainer Schießler zuzuhören, dem Münchner Pfarrer, bekannt durch seine ungewöhnlichen Gottesdienste und gefüllte Kirchen „nicht nur an Weihnachten“, geschätzt von vielen dafür, dass er kein Blatt vor den Mund nimmt, präsent im Fernsehen und anderen Medien.

Der als „Lesung“ aus seinem Buch „Himmel, Herrgott, Sakrament“ angekündigte Abend verlief anders als erwartet. Gelesen hat er nur wenige Sätze, dafür umso mehr erzählt. Pfarrer Rainer Schießler, 56 Jahre, bekennender Löwen-Fan, ist zuständig für die beiden Münchner Pfarreien St. Maximilian im Glockenbachviertel und Heilig-Geist am Viktualienmarkt.

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Kein Stuhl blieb frei, als Pfarrer Rainer Schießler sein Buch „Himmel, Herrgott, Sakrament“ im Bürgerhaus vorstellte.

An diesem Abend schlägt er einen weiten Bogen. „Schnallt euch an“ empfiehlt er, ein guter Rat, denn in den nächsten Stunden wird das Publikum mit einem wahren Feuerwerk an Informationen, Ratschlägen und Meinungen eingedeckt. Für Nichtbayern wahrscheinlich manches unverständlich, weil (fast) ausschließlich auf Bayrisch. Er berührt eine Vielzahl von Themen, zu denen er eine Meinung, eine Erfahrung oder gar einen Lösungsvorschlag hat: Tagespolitik, Krieg, Hunger in der Welt, Missbrauchsskandal in der Kirche, Schwule, Frauen als Priester, Flüchtlinge, Sexualität… Ökumene? Für ihn kein großes Thema, denn die praktiziert er schon lange. „Ich brauche keine Nachhilfe in Ökumene“. Wenn er über die Missstände in der katholischen Kirche spricht und Veränderungen fordert, lässt der spontane Beifall den Schluss zu, dass er damit offensichtlich ins Schwarze trifft. Aber “die Option ‚ich trete aus‘ passt für mich nicht.“ Denn die Kirche sei wie ein großer Raum, „jeder darf drin sein, auch wenn er eine andere Meinung hat“.

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Wortgewandt und redegewaltig: Pfarrer Rainer Schießler im Bürgerhaus Eching

Er vertritt klare Auffassungen: „Es ist ein Menschenrecht, in einer zweiten Ehe glücklich zu werden“ und er ist davon überzeugt, dass es die größte Freiheit des Menschen sei „nicht Recht haben zu müssen!“. Gefragt, ob er denn keine Schwierigkeiten bekomme, dann sei in der Regel seine Antwort „Nein, die haben die anderen!“. Wortgewaltig, redegewandt, mit vollem Körpereinsatz und markigen, zuweilen ziemlich deftigen Worten zieht er das Publikum in seinen Bann und er lässt keine Chance für eine Pointe ungenützt vorübergehen.

Ehe er jedoch auf die Probleme in der Welt und in der Kirche zu sprechen kommt, erzählt er von seinem persönlichen Werdegang. Dabei spart er nicht mit Understatement. Aufs Gymnasium zu gehen, obwohl ihm der Vater das nicht zutraute, war ihm vor allem deshalb wichtig, um es dem drei Jahre älteren Bruder nach zu tun. Dass er Latein gelernt und das Abitur geschafft habe, verdanke er der Unterstützung wohlmeinender Lehrer und vor allem der des Vaters, der ihn geprägt habe. Ein Buch schreiben? „Ich? Bücher schreiben doch nur wirklich wichtige Leute!“ Natürlich hat er es dann doch getan und die Empfehlung „Erzähl die Geschichte, wie du so geworden bist und was dich dazu geführt hat, dass du so bist, so sprichst“ hat letztendlich den Bestseller erzeugt, der an diesem Abend am Büchertisch zum Verkauf ausliegt.

„Glaube braucht Unterhaltung“ sagt er. Eine doppelsinnige Auslegung. Unterhaltung bot der Seelsorger an diesem Abend ausreichend. Aber er will das auch wörtlich verstanden wissen, Haltung nach unten, den Kontakt zum Boden nicht verlieren. Dem entspricht auch einer seiner Grundsätze, vielleicht sogar das Rezept seines Erfolgs: „Du muaßt d’Leit meng!“

Nach zweieinhalb Stunden kommt er zum Ende seines Vortrags. Da bekannt ist, dass er auf sein Honorar verzichtet und zudem die meisten wissen, dass er seinen Verdienst als Bedienung beim Oktoberfest regelmäßig spendet, dürfte die Spendenbox am Ausgang gut gefüllt sein. Deren Inhalt geht an Christian Springer für den Verein „Orienthelfer e.V.“.

Für Sie berichtete Maria Schultz.

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