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Spaß und Spannung bei einer „Krimödie“ von Peter Landstorfer

Kategorie: Veranstaltungen Veröffentlicht: 13. November 2016

Günzenhauser Dorfbühne spielt „Da kahle Krempling"

Man könnte bei der gelungenen Mischung aus Krimi und Komödie wohl von einer „Krimödie" sprechen bei der diesjährigen Theateraufführung der Günzenhauser Dorfbühne. Das neunköpfige Ensemble unter der bewährten Regie von Hubert Tegel, unterstützt von Souffleuse Cordula Meir und Visagistin Irmi Maurus, hat heuer das kurzweilige Theaterstück „Da kahle Krempling" aus der Feder von Peter Landstorfer aus dem Jahr 2010 auf die „Dorfbühne" beim Baderwirt gebracht...

...und für bestens unterhaltene Gäste bei insgesamt sieben Vorführungen gesorgt, darunter auch zwei Zusatztermine. Zum stimmigen Ambiente trugen neben der volksmusikalischen Umrahmung von Gebe Winkler auch die „gut bürgerlichen" Kulissen und stilvollen Kostüme bei.
Wenn sich für das gespannte Publikum der Vorhang zum ersten Akt öffnet, laufen gerade die letzten Vorbereitungen zum 70. Geburtstag der ebenso rüstigen wie herrischen, und durchaus lebensfrohen Witwe Pauline Hermine von Wettenlach (Ingrid Huber). Genüsslich lässt die in sehr auskömmlichen Verhältnissen lebende alte Dame ihre fünf Nichten und Neffen, alles potentielle Erben, nach ihrer Pfeife tanzen und zu jedem runden Geburtstag antanzen. Und während das zweiköpfige Personal, die fesche und freundliche Maisonette (Susanne Kassner) und der steife Diener mit dem schönen Vor- und Zunamen Heinrich Heinrich (Michael Leutner) sorgfältig Hand anlegen beim Eindecken der Festtafel, trudeln sie alle nacheinander ein, die lieben Anverwandten: die ledige Nichte Olga Fetzinger (Verena Hohenester), deren bester Freund der Alkohol ist, Hopfenbauer Lenz Feichtmeier (Stefan Schuhbauer), als grober Klotz mit einer guten Portion Bauernschläue gesegnet, Neffe Blasio (Johann Völkl), arrogant- selbstverliebter und ziemlich talentfreier Opernsänger, der weder beim Vogelsänger noch bei der Zauberflöte die richtigen Töne trifft, Otto Hasenfuß (Klaus Wallner) der diesen Nachnamen völlig zu recht trägt und kein Blut sehen kann, sich selbst aber für einen großen General hält und schließlich seine verwitwete Schwester Brunhilde zu Löffelholz (Jennifer Risch), die mit ihrem durchgeknallten Bruder ein schweres Los erwischt hat. Als unerwartete Ehrengast zu erwähnen wäre noch Kriminalrat Findus Feigl (Rudolf Dlugosch), ein guter Bekannter von Tante Paula, der gerne bereit ist, den „ungewohnlichen Wunschen" der Gastgeberin nachzukommen und dem Verlesen ihres absonderlichen Testaments einen amtlichen Anstrich zu verleihen. Zum festlichen „Verwöhn"- pardon „Quälprogramm" von Tante Paulagehört alle Geburtstage wieder eine eigenwillige Speisenfolge, wie unter anderem Pansensuppe mit legiertem Wachtelei, die mit kollektivem „Aah – hmm - ooh" begleitet wird.
Die Schwächen und Sonderheiten der skurrilen Charaktere sind so recht geeignet für pointiertes Spiel und Situationskomik, etwa wenn sich die potentiellen Erben bei „geliebten Darbietungen" vom Gedicht über die Festrede bis zum Gesang gegenseitig zu übertreffen suchen. Nicht ohne Grund, hofft doch jede(r) auf den Erbfall: Bei der „betuchten" Tante Paula, die im Geheimen einem teuren Laster frönt, nämlich Pferdewetten, steigt mit dem Alter „die Wahrscheinlichkeit eines baldigen Ablebens", vor allem dann, wenn dank der besonderen Eigenschaften eines Giftpilzes, des kahlen Kremplings, nachgeholfen wird...


 „Sie lebe hoch, aber nicht mehr lange"
(Trinkspruch auf Erbtante Paula)


Dass Paula Pferdewetten und Schwammerlsuppe liebt, sind beides für den Handlungsverlauf sehr wichtige Details. Dank geschickter Dramaturgie, die die Zuschauer bewusst in die Irre führt, bleibt bis zum Schluss die Spannung hoch – und das Ende ebenso offen wie überraschend.


 Entlarvender Dialog: „Wollen Sie denn ihre Tante umbringen?" - „JA"!


 Wenig überraschend, sondern sehr verdient, ist dagegen der ehrliche Applaus, den sich die Truppe abholen darf.

Dorfbuehne2016 2 

Haben sich zu einer denkwürdigen Feier an Tante Paulas Festtafel versammelt: von links nach rechts: „General" Otto Hasenfuß (Klaus Wallner), Nichte Olga (Verena Hohenester), Kriminalrat Feigl (Rudolf Dlugosch), Tante Paula (Ingrid Huber), Neffe Blasio (Johann Völkl), Nichte Brunhilde (Jennifer Risch) und Neffe Lenz (Stefan Schuhbauer), bedient von Hausdiener Heinrich Heinrich (Michael Leutner) und Maisonette (Susanne Kassner) (hinten)

Zusatztermine (noch Restkarten erhältlich):
Samstag, 19.11. um 19:30 Uhr
Sonntag, 20.11. um 18:00 Uhr
Infos und Kartenverkauf: 08133/1851 (G. Wildgruber).


Für Sie berichtete Ulrike Wilms.

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