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Die Suche nach der Heimat

Kategorie: Veranstaltungen Veröffentlicht: 28. März 2016

beim internationalen Frauentag im Bürgerhaus

„Was macht Heimat aus? Wo ist meine Heimat? Diese Frage zog sich wie ein roter Faden durch das wiederum vom SPD-Ortsverband organsierte Fest zum internationalen Frauentag, zu dem am 11. März ins Bürgerhaus eingeladen wurden. Gut 40 Besucher/innen, darunter erfreulicherweise auch ausländische Mitbürger/innen sowie Flüchtlinge, konnten im Foyer einen anregenden und anrührenden Abend erleben – mit abwechslungsreichen kulinarischen, optischen und informativen Facetten rund um das höchst aktuelle und auch dramatische Thema „Heimat und Fremde".

Dieses stand bereits beim letztjährigen Frauentag im Fokus und die drei Organisatoren Stefanie Malenke, Elke Saulewicz und Herbert Hahner griffen es erneut auf. Zum Rahmenprogramm gehörte eine von den türkischen Familien Durgut und Celik üppig bestückte „orientalische Teefafel", eine Bilderausstellung mit Portraits ausländischer Mitbürger der Echinger Nachwuchsfotografin Veronika Bures und die in Zeitungsartikeln, Formularen und Bildern dokumentierte Lebensgeschichte der griechischen Migrantenfamilie Tsakmaki.

 

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"Darf es ein Schlückchen türkischer Tee sein?" Mehlika und Nursen Celif und Elif und Fadime Durgut (von links) erwiesen sich als charmante Gastgeberinnen – und stellten auch auf dem reich bestückten Buffet einer „orientalischen Teetafel" ihre Backkünste bei allerlei süßen und deftigen Leckereien nach Rezepten ihrer Heimat unter Beweis.


Als Einstimmung schlug Elke Saulewicz geschickt einen über 100jährigen Bogen von der Historie des internationalen Frauentages und den nach und nach erkämpften Frauenrechten zur aktuellen Zeitgeschichte –mit ihren (immer noch!) erheblichen Defiziten in punkto Gleichstellung für Frauen in Politik, Gesellschaft und am Arbeitsplatz.


Stefanie Malenke: 

„Wie würde ich mich fühlen, wenn ich spüre, dass ich nicht willkommen bin?"


Die Lesung aus dem Buch der gebürtigen Griechin Eleni Tsakmaki „Die ewige Suche nach der Heimat" und eine verkürzte Vorführung des großartigen und aufrüttelnden Films „Töchter des Aufbruchs" über das Leben von Migrantinnen und Flüchtlingen der Münchner Filmemacherin Ulrike Bez , die beide persönlich anwesend waren, standen im Mittelpunkt. In dem faszinierenden, aktuellen Zeitdokument berichten in Deutschland lebende „starke" Frauen aus der Türkei, Griechenland, Tunesien und dem Irak von ihrem Leben und ihren Befindlichkeiten hierzulande, aus einem uns „fremden" und oftmals entlarvenden Blickwinkel, ungeschönt und unmittelbar. Sie alle haben eines gemeinsam, nämlich in Deutschland einen Neuanfang wagen und darum kämpfen zu müssen, angenommen und akzeptiert zu werden. Eine von ihnen ist Eleni Tsakmaki. Sie begann mit 54 Jahren eine erfolgreiche Karriere als Schriftstellerin. Im Wechsel mit der Lesung von Ulrike Bez erzählt sie in eigenen Worten von ihrem verschlungenen Lebensweg, der von den beiden „Gegenpolen" der griechischen Heimat und dem fremden Deutschland geprägt ist. Auch ihr lesenswertes Buch hat diese Authentizität und ist trotz trauriger Momente niemals larmoyant und mit ganz feinem Humor versetzt. Es beschreibt den mutigen Neuanfang zu Beginn der 1960er Jahre. Der ist geprägt ist von schmerzvollen Trennungen von ihren Kindern und existentiellen Ängsten in einem oft ablehnenden Umfeld, das aber auf Dauer Arbeit, Geld und damit für die ganze Familie materielle Sicherheit bietet. Doch erst Jahrzehnte später, mittlerweile ist sie Mitte 70, empfindet sie Deutschland als „zweite Heimat." Enkelsohn Daniel, von Beruf Anwalt und einer von sieben Enkeln (und auch vier Urenkel gibt es) definiert und identifiziert sich mit den Worten: „Ich bin kein Deutscher, ich bin in München zu Hause." An die Lesung schloss sich eine lebhafte Diskussion um die Bedeutung des Begriffes „Heimat" an.


 Nursen Celik:

„Heimat ist da, wo meine Kinder sind."


 Ein Wortbeitrag macht deutlich, dass die Sprache eine ganz entscheidende Rolle beim Heimisch-Werden und „Ankommen" spielt. Gerade in der heutigen Zeit, so ein weiterer lebenskluger und pragmatischer Ansatz, darf man durchaus auch mehrere Heimaten haben, ohne die Identität zu verlieren, die Wurzeln zu verraten oder innerlich zerrissen zu sein.

Das Fazit von Stefanie Malenke über einen gelungenen und bereichernden Abend mit vielen multi-kulturellen und emanzipatorischen Facetten (nicht nur) für Frauen, fällt dementsprechend positiv aus. Malenke hofft, „dass die internationale Besucherschaft an diesem Abend ein kleiner Gradmesser sein darf, wie offen das bunte Eching miteinander umgeht."

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Von rechts nach links: Die Protagonistinnen des Echinger Weltfrauentages von rechts nach links: SPD-Gemeinderätin Stefanie Malenke, Autorin und Darstellerin Eleni Tsakmaki, Filmemacherin Ulrike Bez und Mitiniatorin Elke Saulevicz.

Für Sie berichtete Ulrike Wilms.

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