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Sebastian Thaler macht’s

Kategorie: Politik Veröffentlicht: 04. Juli 2016

Überzeugendes Votum für neuen Echinger Bürgermeister

Wer wird neuer Echinger Bürgermeister? Thomas Kellerbauer oder Sebastian Thaler? Der Kandidat der CSU? Oder der von der SPD aufgestellte Herausforderer, der zusätzlich eine Allianz aus BfE (Bürger für Eching), Echinger Mitte und Bündnis 90/Die Grünen hinter sich hat? Diese spannende lokalpolitische Frage haben bei der Bürgermeisterwahl am 3. Juli 2016 die Echinger Wähler mit einem in dieser Höhe nicht erwarteten Sieg für Sebastian Thaler beantwortet.

 

Wähler wollen den politischen Wechsel 

Damit hat Eching für den Wechsel gestimmt: Sebastian Thaler, 30 Jahre jung, parteilos, (noch) nicht in Eching ansässig und von einem aktiven Bündnis aus vier Gemeinderatsgruppierungen aktiv unterstützt, löst den langjährigen CSU-Bürgermeister Josef Riemensberger, der seit 1998 die Geschicke der Gemeinde gelenkt hat, als Gemeindeoberhaupt ab. Riemensbergers designierter Nachfolger Thomas Kellerbauer, 48 Jahre alt, 3. Bürgermeister, seit 2014 im Ratsgremium und in der Gemeinde verwurzelt, ist trotz eines von ihm ambitioniert und auch emotional geführten Wahlkampfes gescheitert.

Gegen 18:30 Uhr am Wahlabend war die Bürgermeisterwahl 2016 entschieden: Eine halbe Stunde nach Schließung der 14 Wahllokale, neun Urnen- und fünf Briefwahllokale, zeichnete sich auf der Projektionsfläche beim bestens besuchten Public-Viewing im Echinger Rathaus „rot auf weiß" ein überlegener Sieg für Thaler mit schlussendlich 62,09 % Zuspruch ab. Dies stellt ein Ergebnis dar, das in dieser Eindeutigkeit weder von Thalers Unterstützerbündnis noch von der CSU-Fraktion erwartet wurde. Das enttäuschende Abschneiden Kellerbauers konnte „schwarz auf weiß" ebenfalls auf dem Balkendiagramm abgelesen werden. Der einzige der 14 Wahlbezirke, in dem Kellerbauer mit 54,66 vor dem Bürgermeister-Konkurrenten Thaler lag, war Günzenhausen, womit der nördliche Gemeindeteil seinem Ruf als „CSU-Hochburg" einigermaßen gerecht wurde (Wahlbeteiligung dort: 38,5 %).

Buergermeisterwahl-Abend9

Gespannte Erwartung beim Public Viewing im Eching Rathaus: dabei ging es allerdings nicht um die Fußball-Europameisterschaft, aber um eine nicht minder spannende Entscheidung bei einem politischen Zweikampf: Wer wird der neue Echinger Bürgermeister?

 


Endergebnis:
Wahlbeteiligung: 52,50%
Stimmberechtigte: 10.616
Gültige Stimmen: 5.393
Stimmen für Sebastian Thaler: 3349
Stimmen für Thomas Kellerbauer 2044


Unterlegener Kandidat Kellerbauer zeigt Haltung

Und während das vorläufige Endergebnis von 19:44 Uhr noch auf sich warten ließ, trafen sich die Kellerbauer-Anhänger zur Wahlnachlese im Cafe Central. Gemeinsam mit seiner Frau ließ es sich der unterlegene Kandidat nicht nehmen, bei seinen Wählern und den Unterstützern aus dem Ortsverband Dank zu sagen und lud zur Grillparty ein. Dort wurde nicht nur gegessen und getrunken, sondern auch Ursachenforschung betrieben und gefachsimpelt.

Wahlparty-Kellerbauer2

Eines allerdings ist klar: Kellerbauer persönlich hat einen engagierten, mitunter auch emotionalen Wahlkampf geführt und sich mit allen Kräften eingebracht, bis hin zu der Tatsache, dass er höchst persönlich seine Wahlplakate aufgehängt hat. Landtagsabgeordneter Florian Herrmann und Echings regierender Bürgermeister Josef Riemensberger zeigten sich am Wahlabend sichtlich getroffen über die klare Niederlage, für die fairerweise die CSU und insbesondere der Ortsverband Mitverantwortung übernehmen sollte. Riemensberger verwehrte sich mit Nachdruck gegen die Aussage der „Thaler-Allianz" , in seiner 18jährigen Amtszeit habe im Ort „Stillstand" geherrscht und bezeichnete den Wahlkampf des Unterstützer-Bündnisses als mehr von Stimmungen geprägt als von Fakten.

In Kreisen der CSU war dann vielfach zu hören: „Schaun wir mal, was der politische Alltag ab September so bringt" ... : Denn anders als beim Ergebnis der Bürgermeisterwahl verfügt das Bündnis aus SPD, BfE, Echinger Mitte und Grünen im 24köpfigen Gemeinderat (plus Bürgermeister) nicht über eine deutliche Mehrheit, sondern lediglich über 12 der 25 Sitze - und müssen bei Abstimmungen auch die Räte der CSU und der FWG überzeugt werden.
Der unterlegene Kandidat selbst reagierte mit einer in dieser Situation erstaunlichen Abgeklärtheit und Gelassenheit auf die dramatische Wahlschlappe.

Wahlparty-Kellerbauer 1 Masterfoto

Bewundernswert gelassen steckten Thomas Kellerbauer und seine Frau die Wahlniederlage weg und luden alle Freunde und Unterstützer als Dankeschön zu einer Grillparty weg.

„Mir geht es erstaunlich gut. Es ist nichts Schlimmes passiert. Ich habe meine Familie und meinen Beruf und das Leben geht weiter" so der 3. Bürgermeister, der dieses Ehrenamt weiterhin mit Freude wahrnehmen will. Und mit einer Portion (Zweck-) Optimismus fügt der 48jährige hinzu, dass sich zwar gerade eine Tür geschlossen habe, aber wer wisse schon, was die Zukunft noch so bringen werde, „da kann sich vielleicht noch das eine oder andere Tor öffnen."

Team-Thaler feiert klaren Wahlsieg 

Zur gleichen Zeit hatten sich die Unterstützer des zukünftigen Echinger Bürgermeisters bereits zur fröhlichen Wahlparty ins Tennisheim aufgemacht: „dorthin, wo alles begann" wie es Elke Saulevicz (SPD) bei ihrer noch im Rathausfoyer ausgesprochenen Einladung formulierte.
Die Rekrutierung des externen Kandidaten Thaler in der Tennisabteilung des SCE, wo sich Thaler seit sieben Jahren als Spieler, Trainer, Schiedsrichter und Mannschaftsführer engagiert, wurde nämlich unter anderem von einem Sport- und Tennisfreund eingefädelt, dem SPD-Bürgermeister Joachim Enßlin (1972-1992). Den erinnerte Thaler an den Beginn seiner eigenen politischen Karriere und so stand auf Enßlins persönlichem Unterstützer-Slogan zu lesen: „Der ist so wie ich, als ich 1972 anfing".
Sowohl Enßlin als auch Altbürgermeister Rolf Lösch fanden das Ergebnis mit über 60 Prozent pro Thaler „erstaunlich", wenngleich beide mit einem Erfolg so um die 56 % durchaus gerechnet hatten. Für dieses ausgezeichnete Resultat führte Enßlin in seiner Rückschau eine ganze Reihe von Gründen an:
Er bezeichnete Thaler als überzeugenden Kandidaten, der sich rasch eingearbeitet hätte, mit seiner kommunikativen und kompetenten Art und einem fairen Wahlkampf überall Sympathien gewonnen habe und sich auf viel Team-Work habe verlassen können. Dabei sei Thaler von den eigenen Gruppierungen stärker unterstützt worden als Kellerbauer aus dem christsozialen Lager. Seinem Team und seinen „Sympathisanten" sprach Echings zukünftiger Bürgermeister, der mit Standing Ovations empfangen wurde, seinen ganz persönlichen Dank aus. Der gemeinsame, intensiv geführte Wahlkampf war denn auch von pfiffigen und originellen „Gags" und Ideen wie einem Fahrrad-Corso, dem Flash-Mob auf dem „besetzten" Bürgerplatz mit Thaler-Masken, der Teilnahme am Fischerstechen oder Stockschießen geprägt. Dies erwies sich nicht nur als öffentlichkeitswirksam, sondern machte sichtlich (auch) Spaß. ... Letzteres galt dann umso mehr für die Wahlparty. Das Vor-der-Wahl-Motivations-Shirt für Thaler mit der Aufschrift „I dad's macha" wurde flugs „aktualisiert" und trug nach der Wahl den zupackenden Spruch: „I mach's" – gleiches galt für die Party-Torte.

Thaler Masterfoto

Sebastian Thaler mit dem „aktualisierten" T-Shirt und der tatkräftigen Aussage „I mach's!" Rechts daneben seine Frau Marlen.

Natürlich durfte auch Live-Musik mit den bewährten Kräften Willy Kramer und Sepp Holzer und selbstgetexteten Liedern nicht fehlen. Ein Gstanzl vom Willy war schon ganz auf die Zukunft ausgerichtet – und die sicher nicht leichte Gemeinderatsarbeit der kommenden Wahlperiode: „Liebe Unterstützer, hoit's weiterhin fest zamma, sunst hat des Ganze koa Zweck, wenn'ts eich net einig seids, samma in vier Jahr' wieder weg!"


Zitat Dr. Joachim Enßlin, Ehrenbürger und ehemaliger Echinger Bürgermeister: „Es war ein fairer, von einem breiten Engagement getragener Wahlkampf, bei dem ein überzeugender Kandidat Sebastian Thaler von den eigenen Gruppierungen stärker unterstützt wurde als Kellerbauer von der CSU."

Zitat Bürgermeister Josef Riemensberger: "Das war ein sehr von Stimmung geprägter Wahlkampf, in dem Fakten leider keine große Rolle gespielt haben."


 

Buergermeistergruppenbild Masterfoto
Die Gesichter von über 40 Jahren Echinger Lokalpolitik – Echings Bürgermeister - gestern und heute: von links nach rechts: Rolf Lösch (SPD - Amtszeit 1992-1998), Dr. Joachim Enßlin (SPD – Amtszeit 1972-1992), Echings neuer Bürgermeister Sebastian Thaler ( SPD-Kandidat/parteilos– Amtszeit ab 1. September 2016), Josef Riemensberger (CSU – Amtszeit 1998-2016).

Für Sie berichtete Ulrike Wilms.

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