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Parteiübergreifende Allianz für parteilosen Bürgermeisterkandidaten

Kategorie: Politik Veröffentlicht: 29. April 2016

Sebastian Thaler stellt sich vor

Das hat es auf der lokalpolitischen Bühne in Eching in dieser Konstellation noch nie zuvor gegeben: Mit der SPD als Vorreiter, den Bürgern für Eching (BfE), Bündnis 90/ die Grünen und der Echinger Mitte haben vier der insgesamt sechs im Gemeinderat vertretenen Gruppierungen sich für die anstehenden Bürgermeisterwahlen am 3. Juli auf einen jungen, parteilosen Kandidaten „von auswärts" verständigt: Sebastian Thaler, 29 Jahre, Betriebswirt und Diplom-Kaufmann, Projektleiter bei Siemens, tritt gegen Thomas Kellerbauer (CSU) an, um als Gemeindeoberhaupt das Ruder in Eching zu übernehmen.

 SPD-Kandidatenvorstellung Thaler Masterbild

Gut gelaunt präsentierte sich bei der Kandidatenvorstellung am 28. April die Alllianz aus SPD, BfE, Grünen und Echinger Mitte mit ihrem gemeinsamen Bürgermeisterkandidaten im Bürgerhaus: von links nach rechts: Gemeinderätin Siglinde Lebich (Grüne), Bürgermeisterkandidat Sebastian Thaler (parteilos), SPD-Fraktionssprecherin Anette Martin, BfE-Vereinsvorsitzende Sylvia Jung, und Gemeinderat Bertram Böhm (Echinger Mitte).

Er sei, so Thaler bei seiner Vorstellung, dankbar für diese breite Zustimmung und versicherte gleichzeitig, gemäß dem Slogan „Bürgermeister für alle" offen auch für CSU und Freie Wähler zu sein. Die inhaltliche Übereinstimmung der Allianz von SPD, BfE, Grünen und Echinger Mitte bezeichnete er als gute Basis, um sich zum Wohle der Gemeinde und ihrer Bürger einzusetzen.

Mit engagierten Plädoyers warben alle Unterstützer für den Kandidaten. „Er kann"s lautete das knappe Resümee des SPD-Vereinsvorsitzenden Carsten Seiffert bei seiner Begrüßung der gut 200 Besucher im Bürgerhaus. BfE -Vereinsvorsitzende Sylvia Jung ist sich sicher: „Er bringt Führungsqualitäten mit und weiß von Berufs wegen, wie wichtig gute Berater im Team sind." Deshalb werden die Bürger für Eching „Sebastian Thaler mit voller Kraft unterstützen. Die Fortsetzung der schwarzen Verhinderer-Politik, wie wir sie die letzten 18 Jahre erlebt haben, können und wollen wir nicht weiter verantworten." Auch Axel Reiß (Grüne) bedauerte die „geistige und politische Verengung" in Eching mit einer Ausrichtung ausschließlich auf den Aspekt der Wirtschaftlichkeit, bei der Bürgerbeteiligung und Transparenz außen vor bleiben. Parteikollegin Siglinde Lebich illustrierte anschaulich: „Was es außer Plänen und Bauwerken noch gibt, ist nicht nur ein politisches Gebilde, sondern ein Ort wo man liebt und lebt und streitet." „Die freiwilligen sozialen Leistungen sind's", die das soziale und kulturelle Leben bereichern, so Lebich. Und genau dies wolle man mit Sebastian Thaler verwirklichen. Bertram Böhm (Echinger Mitte), der selbst mit dem Gedanken gespielt hatte, zu kandidieren, kam zu dem Ergebnis: „Sebastian ist besser." Deshalb sein Appell an die Bürger: „Geht zur Wahl!"
Auch per Gstanzl wurde ein Loblied auf Thaler angestimmt – und damit eine Spezialität der Echinger Genossen vergangener Tage wiederbelebt. Dafür erneut zuständig – der Deutenhauser Willy Kramer mit Gitarre- und zusätzlicher Akkordeonbegleitung – witzig und spritzig wie eh. Er titulierte sich und seinen Kompagnon als GmbH – „Gstanzl mit beschränkter Hoffnung" und besang die erfreuliche Tatsache, dass Eching außer dem Euro nun auch noch einen Thaler hat. ...
Für den Kandidaten galt es bei seinem ersten großen öffentlichen Auftritt in Eching „Werbung in eigener Sache zu machen" – und da waren ihm die Vorschusslorbeeren seiner Unterstützer fast peinlich. Er bringe eine große Motivation für die reizvolle Aufgabe mit, sagte Thaler, die Gemeinde aus ihrem Dornröschenschlaf zu wecken, sie dabei zu fördern und zu fordern. Denn Eching sei prinzipiell eine familienfreundliche, gesunde, schöne Gemeinde mit beispielhaften Einrichtungen und einem regen Vereinsleben – seine Einladung: „Lassen sie uns Eching gemeinsam entwickeln." Für dieses ambitionierte Ziel betrachtet er es eher als Vorteil, unvoreingenommen" an die Aufgaben heranzugehen, weil er „nicht im örtlichen Geflecht verhaftet" sei.
Innerhalb des Gemeinwesens hat sich seiner Wahrnehmung nach „viel Unzufriedenheit" entwickelt, vor allen Dingen auch deshalb, weil mehr verwaltet als gestaltet würde. Dazu nannte Thaler eine Handvoll essentieller Handlungsfelder, in denen er Verbesserungspotential ausgemacht hatte, wie ganz zentral, bei der Gestaltung des Bürgerplatzes und der Nutzung des Bürgerhauses oder den im Vergleich zu den Nachbarkommunen Garching und Unterschleißheim hohen Kosten für Saal- und Hallenmiete für Vereine. Auch in punkto Rathausumbau hatte Thaler seine Hausaufgaben gemacht – und Vergleiche zu anderen bayerischen Kommunen herangezogen, die mit attraktiven Neubauten anstelle von Sanierungen deutlich günstiger lagen. Seine optimistische Ansage. „Ich hoffe, dass ich im Amt bin, bevor mit dem Umbau begonnen wird"„ wurde ebenso mit Applaus belohnt wie seine humorvolle Personenbeschreibung: „Mein zweiter Vorname ist Sparsamkeit". Thalers vorrangiges Thema galt „bezahlbarem Wohnen". Wie aus seiner anschaulichen Jahresstatistik ab den 90er Jahren ersichtlich wurde, sind beispielsweise 2013 gerade einmal 25 neue Wohnungen auf den Markt gekommen. Eine wichtige Zukunftsaufgabe sieht Thaler parallel zu einer planvollen Bodenvorratspolitik zur Schaffung erschwinglichen Wohnraums darin, durch die Ansiedlung hochwertigen Gewerbes (Stichwort Standortmarketing) qualifizierte Arbeitsplätze in der Gemeinde zu schaffen – und damit für möglichst viele Bürger eine Einheit aus Lebens- und Arbeitswelt zu ermöglichen. Große Chancen räumt er Dietersheim ein, verstärkt von der Nähe zu Uni und den Forschungsinstituten zu profitieren.
Sowohl in der Würdigung seiner Unterstützer als auch in seiner Echinger Antrittsrede wurde deutlich, dass Thaler ein Mann ist, der das unvoreingenommene Gespräch, die Expertenmeinung und den Blick über den Tellerrand sucht, der erkennt, wo seine Grenzen beziehungsweise die Grenzen des Machbaren sind, der abwägt und dem Konsens eher zugeneigt ist als der Konfrontation, der sich zu seinen Schwächen bekennt (Unpünktlichkeit), der Humor hat - den wird er in Eching auch dringend brauchen- und der mit Ehrgeiz, Teamgeist und Visionen an zukünftige Herausforderungen herangehen will. Dies zeigte er auch bei der abschließenden Formulierung dreier Leitgedanken. Oberstes Ziel ist eine Orientierung an den Bedürfnissen der Bürger, wozu man "klare, realistische und langfristige Ziele definieren" müsse. Gemeinsam gelte es, wieder ein Gestaltungsniveau zu erreichen, das „stolz macht, Bürger dieser Gemeinde zu sein."


Für Sie berichtete Ulrike Wilms

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