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„Indien“ – eine tragisch-komische Männerfreundschaft im Kellertheater

Kategorie: Kultur Veröffentlicht: 30. Mai 2019

von und mit der Theaterwerkstatt Eching

Auch die 49. Inszenierung der ambitionierten Theaterwerkstatt Eching verdiente sich das Prädikat „besonders sehenswert". Mit einfachen Mitteln grandios und erneut unter Regie von Sven Hussock gespielt wurde in zwei gut besuchten Aufführungen am 23. und 24. Mai im Kellertheater die fesselnde Tragikomödie „Indien" des österreichischen Autorenduos Josef Hader und Alfred Dorfer aus dem Jahr 1995.

Vor spartanischer Kulisse geht es um das sich wandelnde Verhältnis zweier Inspektoren im Hoteleriegewerbe, den derb-ungebildeten Heinz Bösel (Oskar Weissthanner) und den ständig redenden, mitunter monologisierenden „Feingeist" Kurt Fellner (Ulrich Hafen). treffen in der bayrischen Provinz immer wieder aufeinander.

 

Theaterwerkstatt Indien Saufkumpane Masterbild
Glaubhaft verkörpern Weissthanner/Hafen diese wenig einnehmenden Zeitgenossen, die sich eingangs überhaupt nicht leiden können. Und deshalb schmiert der ungehobelt-ordinäre Bösel, bei dem mit zunehmendem Alkoholpegel Ausländer- und Frauenfeindlichkeit aufblitzen, dem Fellner einmal sogar ein Schmalzbrot auf die Glatze. Auch der besserwisserische und überhebliche Fellner, der mit Bildung und Wissen protzt, eine Vorliebe für Trivial Pursuit hat: „Wie viele Zähne hat der männliche Buckelwal?" ist kein Sympathieträger.
In überwiegend stummen Statistenrollen von der Ärztin über die Bedienung, den Wirt bis zur Krankenschwester die weiteren Ensemble-Mitglieder zu sehen Claudia Borst, Renate Jordan, Thomas Alf und Raid El Rabbagh zu sehen.
Aus der anfänglichen Antipathie entsteht echte Freundschaft – die sogar Krankheit und Sterben stand- und aushält. Überwiegen im ersten Teil die komischen Elemente, so bleibt einem in der zweiten Hälfte das Lachen sprichwörtlich im Halse stecken. Mit großartiger Ausdrucksfähigkeit gelingt es den beiden Protagonisten Hafen und Weißthanner, Leid und Mitleid und den eher ungeschickten und teils makabren Umgang von Heinzi und Kurti mit den eigenen Gefühlen ungeschminkt und schonungslos darzustellen. Im kalt und klinisch ausgeleuchteten Krankenzimmer mit dem ebenfalls kalten und emotionslosen medizinischen Personal, immer wieder unterbrochen von störendem Baulärm, überwiegen trotz alledem Menschlichkeit und Zuwendung ... und Indien bleibt der unerreichte Sehnsuchtsort.

Für Sie berichtete Ulrike Wilms

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