Wie alt und jung sich gegenseitig unterstützen können

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„Wohnen für Hilfe“

Seit rund einem Jahr bilden sie in Eching eine gut funktionierende Wohngemeinschaft, die 87jährige Vermieterin und Hauseigentümerin Helga Kalb und die 24jährige Studentin Judith Bugelnig aus Stuttgart, die für ihren Masterstudiengang Agrarwissenschaft an der Uni Weihenstephan eingeschrieben ist.

„Gesucht und gefunden“ haben sich die beiden dank des vor zwei Jahren auf den Weg gebrachten Projekts „Wohnen für Hilfe“, das das ASZ/Mehrgenerationenhaus, nach mehreren vergeblichen Initiativen im Landkreis, erneut angestoßen hat. Über das zugrundeliegende Konzept ebenso wie den Status Quo bei der „Partnervermittlung von Wohnpaaren“ konnte ASZ-Mitarbeiterin Selina Pöllner bei einer Infoveranstaltung für Interessenten aus erster Hand berichten. Die 25jährige Sozialpädagogin hat die das Modell einer „Mehrgenerationen-WG auf Zeit“ neu aufgebaut hat und zeichnet seither für Beratung, Organisation und persönliche Begleitung verantwortlich. Bis dato hat sie insgesamt sieben Vermittlungen abgeschlossen, von denen aktuell drei noch Bestand haben. Eine davon ist das Wohnpaar Helga Kalb und Judith Bugelnig, die beim Gesprächskreis mit dabei waren. „Sie sind die ersten, die bereit waren, öffentlich über ihre Erfahrungen zu berichten“ , bedankte sich Pöllner bei den beiden Frauen, die gemeinsam mit ihr in der Runde den Interessenten gerne Rede und Antwort standen. Pöllner fasste dabei kurz die Grundidee einer „WinWin-Situation“ für jung und alt zusammen:

  • Für junge Menschen auf dem Weg in ihren Beruf, für die die Situation auf dem teuren und knappen Wohnungsmarkt in dieser Lebensphase mit
    schmaler Kasse nicht selten ausweglos erscheint, wird eine fast kostenlose Unterkunft geboten. Als Nebeneffekt gibt es vielerlei (Lebens)-Erfahrungen zu gewinnen und Kenntnisse zu erwerben.
  • Für eine wachsende Anzahl an Senioren und Seniorinnen, die über reichlich Wohnraum verfügen, gibt es je nach Wunsch und Bedarf Hilfe in Haus, Garten und Wohnung, Begleitung bei Besorgungen oder auch Gesellschaft bei gemeinsamen Aktivitäten wie Spaziergängen und Gesprächen. So kann eine im Alter oft beklagte Einsamkeit vermieden werden und möglicherweise ein eigenständiges Leben in den eigenen vier Wänden (länger) aufrecht erhalten bleiben. Wichtig: Bei allen unterstützenden Arbeiten sind pflegerische Leistungen grundsätzlich ausgenommen.

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Bei den lebhaften Gesprächen und den vielen Fragen aus der Runde wurde deutlich, dass es sehr unterschiedliche Vorstellungen über das Wohnmodell gibt, wie eine familiär-freundschaftlich geprägte Beziehung etwa oder um körperlich anstrengende Hausarbeiten wie Wischen oder Fensterputzen, Besorgungen und Einkäufe. Helga Kalbs ganz konkreter Hilfsbedarf lautete: „Ich brauche vor allen Dingen jemanden für den Garten.“ Und da war Judith Budelnig genau die richtige Kandidatin, denn auf denen von ihr favorisierten Hilfsdiensten stand Mithilfe im Garten ganz oben auf ihrer Wunschliste. „Ein perfektes Match“ sind sich Kalb und Budelnig mit Pöllner einig. Kalb schildert ihren jungen Haussgast als rücksichtsvoll, zuverlässig und geschickt: „Sie kann sogar die Hecke schneiden“ äußerte sie sich voll des Lobes und Judith Budelnig ist begeistert von der Möglichkeit, nach Herzenslust gärtnern zu können. Sie schätzt an ihrer Gastgeberin ihr freundliches Entgegenkommen, die Flexibilität und Bereitschaft, Familienbesuche, Semesterferien oder Prüfungsvorbereitungen terminlich abzustimmen. „Das haut toll hie“, heißt es einvernehmlich von beiden.

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Allerdings: „Nicht jede Vermittlung ist ein „Match“, wie Pöllner offen einräumt. Außerdem gilt unvermindert, dass noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten ist. „Es gibt viele Hemmungen und Ängste,  vor allen Dingen vor einer Verletzung der Privatsphäre“ berichtet sie. Und da sind positive Beispiele sicherlich hilfreich und ermutigend. Helga Kalb und Judith Budelnig jedenfalls würden aus eigener Erfahrung Interessenten den Rat geben, „sich auf „Wohnen für Hilfe“ einzulassen: „Einfach mal ausprobieren.“

So funktioniert’s:

Bei Einvernehmen unterzeichnen im ASZ beide Parteien einen Vertrag, in dem die wesentlichen Vereinbarungen festgelegt werden. Darin lassen sich auch die individuellen Anforderungen verbindlich regeln. Der Vertrag orientiert sich an der Größe des Zimmers, wobei als Faustregel gilt: 1 m² Wohnfläche = 1 Stunde Hilfeleistung/Monat plus Nebenkostenpauschale.

Natürlich können, im gegenseitigen Einverständnis, abweichende Vereinbarungen getroffen werden. Nach Ablauf einer einmonatigen Probezeit beträgt die Kündigungsfrist zwei Wochen zum Monatsende.

Kontakt/Infos im ASZ/

Mehrgenerationenhaus:
Bahnhofstraße 4
85386 Eching
Mail: poellner@asz-eching.de
Tel.: 089/327142-16

Für Sie berichtete Ulrike Wilms.

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